Arminius

Hoch oben über dem Teutoburger Wald thront Arminius als sog. Hermannsdenkmal über dem Gebirge. Sein Blick und das erhobene Schwert sind Richtung Frankreich gerichtet. Erbaut wurde es zwischen 1838 und 1875. Es gab zeitweise einen Baustopp, weil das Geld und der politische Wille zum weiterbau fehlten. Gebaut wurde es also im 19. Jahrhundert vor dem Hintergrund der deutsch-französischen Erbfeindschaft. Man begann sich wieder an der germanischen Geschichte zu orientieren und mit Arminius hatte man einen der ersten Einiger der deutschen Stämme (eig. germanische) gefunden.

Im Inneren der Bandelhütte

Der Erbauer Ernst von Bandel hat jahrzehntelang sein Leben dem Denkmal gewidmet. Er lebte sogar eine zeitlang in der sog. Bandelhütte unterhalb des Denkmals. Diese Hütte beherbergt heute ein kleines Museum zum Bau und kann von Besuchern besichtigt werden.

Beginn der Ausstellung des Museums in Brahmsche

Erinnern soll das Hermannsdenkmal an die sog. Varusschlacht im Jahre 9 beim Teutoburger Wald als Arminius der Cheruskerfürst mit germanischen Stämmen unter seiner Führung gegen drei römische Legionen unter Publius Quinctilius Varuns gewann und den Römern somit eine starke Niederlage einbrachte. Im 19. Jahrhundert war man davon ausgegangen, dass die Schlacht im heutigen Teutoburger Wald stattgefunden hat. Mittwerweile weiß man aber, dass diese sich wohl im niedersächsischen Brahmsche zugetragen hat. Auch dort gibt es ein Museum in dem man viel über die Schlacht und auch über Arminius erfährt.

Arminius war in jungen Jahren im Dienste Roms und führte germanische Verbände im römischen Heer an. Er bekam das römische Bürgerrecht und erhielt den Titel eines Ritters. Als Varus dann aber in das Land der Cherusker vorrücken wollte, kam es zum Aufstand. Durch einen Überrasschungsangriff der Germanen gelang der Sieg in der Varusschlacht.

Ein Gedanke zu “Arminius

  1. Renton

    Das schöne an zweitausend Jahre alten Überlieferungen ist ja, dass sie viel Spielraum für Interpretation bieten. Die Faktenlage ist auch bei Arminius so dünn gesät, dass man problemlos ein Ziel für die Projektion der eigenen Ideale findet. Damit ist nicht gesagt, dass man dabei nicht richtig liegen könnte – wir werden es aber nie erfahren. Von daher sagt eine Interpretation von Arminius Wirken immer mehr aus über den Interpreten als über Arminius selbst.
    Eine – mögliche – andere Interpretation stelle ich im folgenden vor. Auch diese sagt wahrscheinlich mehr aus über mich als über den historischen Arminius. Sie ist bewusst als Kontrast zu Deiner Interpretation formuliert, jala, und soll im Zusammenspiel mit ihr vor allem dazu dienen, die Skepsis für das, was wir als historische „Wahrheit“ ansehen, zu schärfen.

    Von der Rechten als erster „Nationalheld“ Deutschlands und selbstloser Verteidiger einer germanischen Kultur gefeiert, könnte nichts weiter von der Wirklichkeit entfernt sein. Arminius war Kosmopolit und ein Kind zweier Kulturen, der römischen wie der germanischen. Nach einer langen Zeit in römischen Diensten kehrte Arminius nach Germanien zurück und strebte dort vor allem nach einem: Nach Macht. Arminius war ein Warlord seiner Zeit, allerdings ein geschickter. Sentimentalitäten bezüglich seiner germanischen Herkunft waren ihm fremd. Als erstes reformierte er seine Streitkräfte nach römischen Vorbild, und wir dürfen getrost davon ausgehen, dass er auch in anderen Dingen nach reinen Nützlichkeitserwägungen verfuhr. Anders ist sein kometenhafter Aufstieg kaum zu erklären; Idealisten bringen es selten weit. Unsentimental und utilitaristisch, wie er war, wurde er bei der ersten günstigen Gelegenheit zum Verräter und schickte seinen eigenen Freund Varus zusammen mit seinen Legionen in eine tödliche Falle, die er, Arminius, selber organisiert hatte. Das Machtvakuum, das die Vernichtung der römischen Truppen östlich des Rheins hinterließ, nutzte Arminius, um sich selbst zum Führer der Cherusker aufzuschwingen. Aber das war ihm nicht genug. Im Bestreben, möglichst viele Stämme unter sich zu vereinen, fand er seine Grenzen erst im Widerstand des Markomannenkönigs Marbod in Böhmen. Auf dem Weg dorthin hatte er aber bereits so viele Leute verprellt, dass er sich mit beständigen Aufständen in seinem Machtbereich konfrontiert sah – die Wikipedia spricht von „innergermanischen Rivalitäten“. Mit der „Freiheit“, die er seinen Landsleuten angeblich brachte, kann es also nicht weit her gewesen sein, vielmehr scheinen seine „Landsleute“ ihn als genau so eine Bedrückung empfunden zu haben wie zuvor die Römer. Arminius hatte sich schließlich so verhasst gemacht, dass ein Chattenfürst dem Römischen Reich sogar anbot, ihn mit Gift ermorden zu lassen. Dazu kam es nicht, aber dass Arminius den Tod durch die Hände der eigenen Verwandten fand, spricht Bände. Wer hier eine Parallele zu den Thronstreitigkeiten im Römischen Reich sieht, die oft mit der Ermordung eines Kaisers einhergingen, hat wahrscheinlich einen realistischeren Blick auf historische Vorgänge und Persönlichkeiten als die, die sich nur das herauspicken, was zwar eine schöne Geschichte ergibt, aber den langjährigen Beobachter der menschlichen Natur ob der Naivität der Erzählung oft nur ratlos zurücklässt.

    P.S.: Eine schönere Erzählung, die vielleicht sogar viel näher an der historischen Wahrheit (worunter nicht jeder dasselbe versteht) ist, finde ich die Geschichte vom Bildhauer Bandel, der sein Leben der Varusstatue gewidmet hat. Ich war auch mal in der Bandelhütte, und sehr beeindruckt von seinem lebenslangen Streben. Womit natürlich auch belegt ist, dass eine Erzählung wie die deine, jala, zwar nicht unbedingt wahr ist, aber doch zutiefst inspirierend sein kann.

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